Schild mit Logo-Charakter. Aufschriften "Zoll" und "Douane"

Donald Trumps Zoll-Pläne: wer sind Gewinner und Verlierer?

Von Detlef Flintz

 

8.4.2025 (zuletzt aktualisiert am 24.2.2026). So gut wie niemand lässt an Donald Trumps Zöllen, mit denen er quasi die ganze Welt überzieht, ein gutes Haar. Doch genaueres Hinschauen lohnt: Sitzen von den Leuten, die jetzt mit Steinen werfen, nicht jede Menge im Glashaus? Unübertroffen ist allerdings der Aktionismus Trumps mit immer wieder neuen Zöllen unter anderem als Reaktion auf gerichtliche Verbote - und die damit verbundene Unsicherheit. Die Hintergründe Schritt für Schritt und leicht zu verstehen erklärt:

So funktionieren Zölle:

Ob Tomaten aus Marokko, Jeans aus der Türkei oder das neue E-Bike aus Fernost - wir zahlen quasi täglich unbemerkt Zoll, den der Importeur direkt an den Staat abgibt. Nur sehr selten bekommen wir mit, dass es in unserem Leben Zölle gibt - etwa bei einem Direkt-Import aus China via Amazon.

 

Also am besten erst einmal runter mit dem Blutdruck: Zölle prägen schon lange den internationalen Handel. Und Zöllen kann man auf legale Weise nicht entgehen - es sei denn, man verzichtet auf den Import.

 

Der Importeur hat die Wahl, die Zollabgabe aus seinem Gewinn zu finanzieren oder auf den Produktpreis aufzuschlagen. Damit haben Zölle eine Ähnlichkeit mit vielen Steuern. Beispiel Mehrwertsteuer für die Gastronomie: Als 2024 der Satz zurück auf 19 Prozent erhöht wurde, musste auch jeder Wirt und jede Wirtin entscheiden, ob man das selber trägt oder lieber die Preise auf der Speisekarte anpasst.

Warum gibt es Zölle?

Zölle sind eine Einnahmequelle für den Staat. Das war schon in der Antike so. Deutschland nimmt darüber etwa sechs Milliarden Euro jährlich ein und führt sie in den EU-Haushalt ab.

 

Donald Trump denkt aber in ganz anderen Dimensionen und rechnet wohl mit Einnahmen von bis zu 1000 Milliarden Dollar pro Jahr. Zum Vergleich: Das wäre etwas mehr als das US-Militärbudget. Von dem Geld will Trump die Einkommenssteuern in den USA senken. 

 

Fachleute halten Zolleinnahmen in so einer Höhe für illusorisch. Vor allem, weil Trump mit den Zöllen eigentlich ein anderes Ziel verbindet: Im Moment importieren die USA nämlich weit mehr an Waren als sie exportieren - und dieses Ungleichgewicht ist Trump ein Dorn im Auge; das will er ausgleichen. Und: Wenn infolge dessen eine Ware nicht mehr in die USA eingeführt wird, gibt es auch keine Zolleinnahme darauf. Tatsächlich sind die Zolleinnahmen in 2025 zwar gestiegen - aber "nur" um knapp 200 Milliarden Dollar.

 

Trumps Idee ist nicht neu; schon seit langem versuchen Staaten bzw. Wirtschaftsverbünde, mit Zöllen Importe zu begrenzen und so die heimischen Unternehmen zu schützen. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist dafür der Agrarsektor der EU, in dem jährlich Güter für mehr als 500 Milliarden Euro produziert - und vor Konkurrenz von außerhalb geschüzt werden.

 

Brüssel macht gar keinen Hehl daraus, dass mit Zöllen Produktions- und Wettbewerbsvorteile, die andere Länder gegenüber den europäischen haben, zunichte gemacht werden sollen. Heißt: Weil Tomaten in Marokko besonders gut wachsen, werden sie künstlich verteuert - zum Schutze der Bauern in Europa.

 

Das kann man für Quatsch halten oder für einen Beitrag zur Wahrung der europäischen Agrarkulturlandschaft. Auf jeden Fall ist Europa aber beim Thema Zölle kein Waisenknabe.

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Was ist an Zöllen eigentlich so schlimm?

Zölle sind, wie gesagt, schon sehr lange beliebt - und genießen dennoch einen schlechten Ruf. Der wichtigste Grund: Zölle verhindern, dass Unternehmen weltweit ihre Produkte zum günstigsten Preis anbieten können.

 

Letzteres ist die zentrale Idee des freien Welthandels. Die ist jedoch nur in der Theorie relevant. Denn Staaten versuchen, mit allen möglichen Maßnahmen in diesen Marktmechanismus einzugreifen.

 

Beliebt ist neben Zöllen die Subventionierung heimischer Unternehmen, um deren Exporte zu stärken. Dieser Vorwurf trifft etwa China; die Staatsführung soll die Produktion von Autobatterien und ganzer Elektroautos subventioniert haben.

 

Um sich dagegen zu Wehr zu setzen, hat dann die EU sogenannte Ausgleichszölle auf den Import bestimmter E-Autos aus China erhoben. Frisch dazugekommen sind Zölle auf Porzellan und Keramik. In dieser Logik ist der Zoll nicht mehr der Auslöser einer Wettbewerbsverzerrung, sondern der Versuch, diese zu korrigieren.

 

Aber auch das klingt simpler, als es ist. Erstens lassen sich Wettbewerbsverzerrungen in aller Regel nur „pi mal Daumen“ erfassen. Und zweitens besteht immer die Gefahr, dass ein Zoll Gegenzölle des betroffenen Landes und damit eine Zollspirale auslöst.

 

Kurzfassung: Wo auch immer Zölle auftreten - entweder ist schon vorher was schiefgelaufen oder spätestens jetzt läuft was schief...

Was ist das Besondere an Trumps Zoll-Plänen?

Als Trump im Frühjahr 2025 seine Zoll-Pläne vorstellt, schert er ganze Volkswirtschaften über einen Kamm. Und zwar fast alle auf diesem Planeten. Denn Trump ist der Ansicht, dass das große Ungleichgewicht in den USA zwischen Importen und Exporten an einer systematischen Benachteiligung von US-Unternehmen liegt.

 

Fast jedes Land bzw. jeder Zusammenschluss von Volkswirtschaften (wie die EU) sollte deshalb ab 9. April 2025 einen - auf Grundlage von nicht wirklich nachvollziehbaren Berechnungen - bestimmten Zollaufschlag verpasst bekommen.

 

Seitdem ist Trump teilweise zurückgerudert, teilweise hat er Maßnahmen verschärft. Und es gab jede Menge Einzelvereinbarungen, mit Großbritannien etwa, Japan oder der EU. Details? Lohnen sich kaum zu wissen, da die Halbwertzeit oft nur wenige Monate oder gar Tage beträgt.

 

Im Februar 2026 erklärt dann der oberste US-Gerichtshof sogar große Teile von Trumps Zollmaßnahmen für unrechtmäßig  - worauf der US-Präsident mit dem Versuch reagiert, seine Zollpolitik einfach auf einer anderen Rechtsgrundlage weiterzutreiben.

 

Weltweite Ratlosigkeit und Verunsicherug sind die Folge, und von den ökonomischen Folgen der ganzen Zoll-Maßnahmen bleibt auch die US-Volkswirtschaft nicht verschont. Obgleich Donald Trump die doch eigentlich stärken wollte. So finanzieren nach Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft US-Importeure und -Verbraucher 96 Prozent der Zolleinnahmen.

Fazit: Trumps Zoll-Pläne haben viele Verlierer und nur wenige Gewinner

Exporteure in die USA - Verlierer: In Deutschland sind das etwa der Anlagen- und Maschinenbau oder die Autoindustrie. Kaum jemand wird zweistellige Zollsätze  in seiner Preiskalkulation abfedern können und die meisten betroffenen Unternehmen werden nach anderen internationalen Märkten Ausschau halten. So wie es die ebenfalls von Trumps Zöllen getroffene Konkurrenz freilich auch tut. Was folgt, sind Preiskämpfe, um wenigstens einen Teil der Produktion zu halten. Über niedrigere Preise freuen sich dann zwar die Kunden, aber weil die Produktion sinkt, droht die Gefahr einer Rezession.

 

Importeure in den USA - Verlierer: Ware aus dem Ausland geht  ja nicht immer an Endkunden. Vieles benötigen US-Unternehmen als Bauteile in ihrer Produktionskette. Prominentes Beispiel war anfangs Apple, das jede Menge aus China bezieht. Selbst ein so markenstarkes Unternehmen kann Mehrkosten nicht beliebig an seine Kundschaft weiterleiten - und dann reduzieren Zölle den Gewinn. Nicht so prominent, aber mit denselben Problemen kämpft die "Independent Can Company", die für ihre Konservendosen Stahlblech aus Deutschland bezieht. In dieser Qualität in den USA gar nicht zu bekommen. Eindrucksvolles Beispiel, berichtet von der Süddeutschen Zeitung.

 

Hersteller in den USA - Gewinner: Je mehr Unternehmen ihre Sachen vor Ort produzieren und je weniger sie Bauteile aus dem Ausland benötigen - desto weniger stören Trumps Zölle. Im Gegenteil: Gerade wegen der Zölle werden sie ja starke Wettbewerber aus dem Ausland los! Etwa im Anlagen- und Maschinenbau. Dennoch bleibt ein Problem: Die amerikanischen Herteller werden die Lücke, die die fehlende ausländische Konkurrenz reißt, nicht komplett ausfüllen können. Denn dafür fehlt ihnen schlicht das Personal. Das Angebot an Maschinen wird also bei gleichbleibender Nachfrage knapper. Und was macht man, wenn einem dann die Kunden die Ware aus den Händen reißen? Man erhöht die Preise. 

 

Konsumenten in den USA - Verlierer: Sie sind die Letzten in der Handelskette - und die beißen die Hunde. So sind die Preise bei Importprodukten innerhalb eines halben Jahres um fünf Prozent gestiegen; dies ergab eine Untersuchung des US-Ökonomen Alberto Covallo von 350.000 Produkten. Mitte November 2025 hat Trump Zölle auf eine Reihe von Lebensmitteln, bei denen die USA auf Importe angewiesen sind, denn auch reduziert. 

 

Konsumenten außerhalb der USA - mal Verlierer, mal Gewinner: Natürlich steigen die iPhone-Preise dann überall und nicht nur in den USA. Solche und ähnliche Nachteile haben alle Konsumenten. Aber es gibt einen gegenläufigen Effekt: Hersteller, die ihre Waren nicht mehr in den USA loswerden, dürften unter Preisdruck geraten. Fachleute prognostizieren deshalb bereits einen Preisrutsch auf dem deutschen Automarkt.

Inzwischen liegt der durchschnittliche Zollsatz in den USA bei 18 Prozent. Vor Trumps Amtsantritt waren es gut zwei Prozent. Durch Trumps Zollpolitik wird es noch unwahrscheinlicher, dass Produkte weltweit zu den günstigsten Konditionen angeboten werden. Solche Ineffizienzen sorgen für jede Menge Verlierer und die Zahl der Gewinner bleibt überschaubar:

Mann mit Brille und silbernem Haar, lächelnd in Anzug mit gekreuzten Armen.

Ich bin Detlef Flintz, Wirtschaftsjournalist, Dozent und Politikcoach. Ich finde, in der politischen Kommunikation setzen sich die falschen Leute mit den falschen Botschaften durch. Mehr

Quellennachweise und mehr Lesestoff

Zu zollpflichtigen Importen bei Online-Käufen:

https://www.chip.de/news/Versteckte-Kostenfallen-Worauf-Sie-beim-Online-Shopping-aus-dem-Ausland-achten-sollten_183961158.html

 

https://www.amazon.de/gp/help/customer/display.html?nodeId=TZrzSPOs7wztT6Vmuu

 

Zur Höhe der deutschen Zolleinnahmen:

https://www.zoll.de/DE/Der-Zoll/Aufgaben-des-Zolls/Einnahmen-fuer-Deutschland-und-Europa/einnahmen-fuer-deutschland-und-europa_node.html

 

Zu Donald Trumps Zoll-Plänen ab 9. April 2025:

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/trump-zoelle-wirtschaft-102.html

 

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/faq-zoelle-china-usa-100.html

 

https://www.20min.ch/story/us-praesident-trump-trump-gibt-erste-strafzoelle-bekanntgegeben-103375364

 

https://german.cri.cn/2025/08/03/ARTI1754225633314967

 

https://www.deutschlandfunk.de/eu-sieht-pharma-exporte-vor-neuen-us-zoellen-geschuetzt-100.htm

 

https://www.fr.de/wirtschaft/eu-politiker-wirft-trump-brechen-des-zolldeals-vor-zr-94039091.html

 

https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-01/handel-friedrich-merz-usa-eu-zollabkommen-donald-trump

 

https://www.focus.de/finanzen/news/15-prozent-auf-eu-importe-ploetzlich-ist-deutschland-einer-der-zoll-verlierer_f483c51a-d206-4ed8-9945-c8395b993822.html

 

https://taxfoundation.org/research/all/federal/trump-tariffs-trade-war/

 

Zur Geschichte der US-Zölle:

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/trumps-zollattacke-trifft-freund-und-feind-110398209.html

 

Zur Vergleichsgrüße US-Militäretat:

https://www.spiegel.de/ausland/usa-kongress-verabschiedet-verteidigungshaushalt-von-895-milliarden-dollar-a-32e309db-9ff6-4b17-a591-639ff27b7297

 

Zu den Zöllen auf Agrarprodukte für die EU:

https://www.zoll.de/DE/Fachthemen/Marktordnungen/Einfuhr-Ausfuhr-landwirtschaftliche-Erzeugnisse/Obst-und-Gemuese/obst-und-gemuese_node.html

 

https://www.bmel-statistik.de/landwirtschaft/landwirtschaftliche-gesamtrechnung/landwirtschaftliche-gesamtrechnung-in-der-eu

 

Zu EU-Zöllen auf Importe  aus China:

https://www.deutschlandfunk.de/china-elektroautos-eu-markt-zoll-100.html

 

https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/stahlgipfel-bundesregierung-104.html

 

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/handel-vs.-hersteller-eu-zoelle-gegen-china-kosten-deutsche-haendler-millionen/100199043.html

 

Zur Bedeutung weltweit frei zugänglicher Märkte:

https://www.wiwo.de/politik/konjunktur/david-ricardo-die-grundsaetze-des-freihaendlers/5886714.html

 

Zu den Auswirkungen in den USA:

https://www.tagesanzeiger.ch/trump-rudert-bei-den-zoellen-zurueck-kritiker-sehen-sich-bestaetigt-562698919072

 

https://www.kielinstitut.de/de/publikationen/aktuelles/eigentor-amerikaner-bezahlen-fast-vollstaendig-fuer-trumps-zoelle/

 

Zu den Auswirkungen auf den deutschen Automarkt:

https://www.bild.de/politik/inland/trumps-auto-zoelle-steckt-deutschland-jetzt-in-einer-auto-fehde-mit-mit-den-usa-67e542f44de99b264f3d437b

 

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