Fünf Regeln für gute Gespräche im Wahlkampf

Von Detlef Flintz

 

15.9.2025. Hier stoßen zwei Welten aufeinander: die politische des Parteien-Personals und die Welt der „Laufkundschaft“ mit ihren ganzen Alltagssachen im Kopf. Dieser Clash ist oft Ursache für wenig zielführende Gespräche und viel vertane Zeit. Was da hilft? Sich des Problems bewusst zu werden, die politischen Botschaften erst einmal wieder einzupacken und mit abgestuften Zielen zu arbeiten. Und zwar:

  1. Einen guten Eindruck zu hinterlassen.
  2. Den Gesprächspartner:innen ein gutes Gefühl zu geben.
  3. Erst dann: eine politische Absicht plausibel zu machen.

Wie man das am besten anstellt? So etwa:

Mann mittleren Alters spricht auf der Straße mit Frau, lange blonde Haare, nur ihre Rückseite ist zu sehen.

Zwanzig Prozent Redeanteil, achtzig Prozent Zuhören? Keine schlechte Mischung.

1. Zuhören statt Reden

Dabei hast du so viel zu erzählen! Aber erst einmal geht es ums Erreichen des Minimalziels. Und das ist: der gute Eindruck.
 

Das ist schon mehr als du vielleicht denkst. Denn: Rund zwei Drittel der Deutschen glauben, dass sich die Politik gar nicht für ihre Probleme interessiert. So eine Befragung des Meinungsforschungsinstitutes Civey aus 2022.

 

Und das bestätigst du, wenn du die Menschen von deinen Inhalten überzeugen möchtest - statt erst mal von deren Sorgen und Sichtweisen zu erfahren. Konsequenz: Du erreichst nicht einmal das Minimalziel, sondern bist direkt unten durch.

2. Fragen statt Argumentieren

Nicht alles, was du da so hörst, wird deine Zustimmung finden. Dennoch gibt es nur einen Anlass für dich, umgehend Position zu beziehen: wenn dein Gegenüber ausfallend wird, dich persönlich angeht oder sich verächtlich über Dritte äußert. Beende dann, etwa unter Verweis deine Werte und Normen, das Gespräch.

 

Ansonsten gilt: Wer fragt, ist im Vorteil. Erkundige dich zum Beispiel nach Quellen oder Belegen, wenn dir eine Behauptung arg gewagt vorkommt. Mit Fragen gewinnst du auch wertvolle Zeit, wenn du dich vielleicht mal kurz sortieren möchtest.

 

Vor allem aber helfen Fragen, dein Gegenüber besser einzuschätzen und genauer kennenzulernen. Außerdem zeigst du so Interesse an seiner oder ihrer Person - eine wertvolle Maßnahme auf dem Weg dahin, sie mal so richtig zu überraschen: 

3. Verstehen statt Informieren

Rund achtzig Prozent der Bevölkerung glauben, dass Politikerinnen und Politiker die Probleme „normaler“ Menschen nicht nachempfinden können - auch das ist ein Ergebnis der Civey-Befragung. Du hast die Chance, das Gegenteil zu beweisen:

 

Denn wenn du mehr über die Lebensverhältnisse und den Alltag von Menschen weißt, verstehst du auch deren Ansichten besser. Und kannst, Ehrlichkeit vorausgesetzt, an deren Problemen oder Herausforderungen Anteilnahme zeigen - unabhängig davon, ob du einer Meinung mit ihnen bist oder nicht.

 

Spätestens jetzt hast du Ziel zwei erreicht: das Gespräch ist für dein Gegenüber ein Gewinn. Ohne, dass du ihm inhaltlich etwas geboten hast. Aber du hast „bella figura“ gemacht, zwei gravierende Vorurteile abgebaut - und bist nun jemand, dem man gerne zuhört. Also: Was hättest du so zu erzählen?

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4. Geschichten statt Statistiken

Warum Geschichten? Sie wecken Emotionen. Zahlen tun das in aller Regel nicht.

 

Warum Emotionen? Das ganze Gefühlsspektrum von Trauer oder Angst bis Freude und Euphorie ist ein wichtiger Faktor für die Bereitschaft und Fähigkeit des Menschen, Informationen an- und aufzunehmen. Und das ist ja letztlich dein Ziel. Dafür musst du selbst gar nicht emotional werden, sondern nur zwei Prinzipien kennen:

  • Erzähle mit Fallhöhe: In Geschichten, die Menschen berühren, gibt es eine Kluft. Sie trennt das, was man wünscht oder erwartet, von dem, das tatsächlich ist. Wie zum Beispiel bei Romeo & Julia. Und Fallhöhe bietet auch die Wirklichkeit. Erwartung: ein Lebensabend ohne finanzielle Sorgen. Realität: Die Rente reicht nicht.
  • Erzähle konkret: Altersarmut? Hat man schon von gehört. Aber erst die Schilderung einer konkreten Begebenheit macht aus einem Phänomen eine berührende Geschichte: zum Beispiel die der 76jährigen Alleinstehenden, die täglich zur Tafel gehen muss und auf Zuwendungen der Nachbarn angewiesen ist..

Auf dieser Grundlage könntest du jetzt ein politisches Ziel formulieren. Erst jetzt. Vorher nicht.

5. Kommunikation durch Akzeptanz

So lange dein Gegenüber innerlich nicht bereit ist, von dir etwas anzunehmen, kannst du dir Informationen, Positionen etc. sparen. Mache während des Gesprächs immer mal zwischendurch den Akzeptanz-Check: Hat mein Zuhören „das Eis gebrochen“? Werde ich als empathisch wahrgenommen, interessiert am Alltag und den Ansichten anderer? Konnte (und wollte) ich Anteilnahme ausdrücken?

 

Mit Anteilnahme muss auch gar nicht eine bedrückte Stimmung oder großes Pathos verbunden sein, sondern es reicht der Versuch, sich in die Lage der Anderen zu versetzen und ihr bzw. ihm zu schildern, was dies bei dir ausgelöst hat. Ohne so ein bewusstes Einnehmen der fremden Perspektive bleibst du die Person, die von einem anderen Planeten kommt und die Verhältnisse hier nicht kennt.

 

Also "Schleimspur"? Auf keinen Fall! Bleibe vor allem authentisch und verstelle dich nicht. Du bist nicht gezwungen, dein Gegenüber zu verstehen. Und manchmal ist das ja auch wirklich nicht so einfach. Offenheit und Aufrichtigkeit sind dann im Zweifel wichtiger als eine gelungene Kommunikation.

Mann mit Brille und silbernem Haar, lächelnd in Anzug mit gekreuzten Armen.

Ich bin Detlef Flintz und nach vielen Jahren Tätigkeit für die ARD nun Politikberater. Mehr

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